Finding Dauphiné Liberation with Bardet and Flecha
Juan Antonio Flecha hat seinen Ruhestand genutzt, um die Liebe zum Fahrrad durch Bikepacking und Ultra-Distanz-Rennen neu zu entdecken. Aktuell geht es ihm vor allem um Erkundung, Entdeckung – und darum, die Kette so auf Zug zu halten, wie es nur ein ehemaliger Profi kann.
„Ich bin jetzt seit über 13 Jahren im Ruhestand. Ich betrachte diese Straßen nicht mehr aus der Perspektive eines Profisportlers. Ich bin jetzt ein Tourist, aber einer, der an der Spitze des Sports stand“ – Juan Antonio Flecha.
Romain Bardet hat sich erst letztes Jahr aus der WorldTour verabschiedet und sich entschieden, auf seinen Heimatstraßen bei dem Rennen Lebewohl zu sagen, das er immer am meisten geliebt hat: dem Critérium du Dauphiné. Und obwohl er nicht mehr im Profipeloton mitmischt, hat er seinen Wettbewerbsdrang nicht gerade begraben; heute mischt er an der Spitze der weltweit größten Gravel-Rennen kräftig mit.
Aber wenn man ihnen einen Bikepacking-Trip in den Alpen vorschlägt, der darin gipfelt, eine Bergetappe des Dauphiné zu verfolgen – der ultimativen Generalprobe für die Tour de France –, wird man kaum zwei Menschen finden, die sich eifriger dafür anmelden würden.
Auf Straßen zu fahren, über die sie einst im Peloton hinweggefegt sind, eröffnet eine ganz besondere Perspektive. Zusammen kommen sie auf über zwanzig Teilnahmen an der Tour de France und Dutzende Starts beim Dauphiné – diese Alpenpässe sind für sie also tief mit persönlicher Geschichte verwurzelt.
Juans letzte Saison im Peloton überschnitt sich mit Romains allererster Tour de France. „Es symbolisierte perfekt eine Wachablösung. Meine Karriere neigte sich dem Ende zu, während seine gerade erst begann. Romain stand für das absolut Beste dieser neuen Generation. Er brachte wieder echten Panache in den französischen Radsport.“
Was als Trip geplant war, um das Rennen zu verfolgen, entwickelte sich schnell zu einer rasanten Fahrt in die eigene Vergangenheit. Als sie sich gegenseitig die Rampen des Galibier hochjagten, dauerte es nicht lange, bis die alten Instinkte einsetzten – und sie sich genau wie in alten Zeiten bis zum Äußersten quälten.
Die Generalprobe für die Tour
Wie so viele legendäre Events wurde auch das Dauphiné Libéré ursprünglich von einer lokalen Zeitung ins Leben gerufen, die ihre Auflage in der Region Auvergne-Rhône-Alpes steigern wollte. Dieser regionale Fokus verlieh dem Rennen seinen unverwechselbaren Charakter: ein brutales, einwöchiges Etappenrennen voller hoher Gipfel und wunderschöner alpiner Ausläufer. „Wir nannten es die ‚Mini-Tour-de-France‘“, erinnert sich Juan Antonio. „Neben den Nationalen Meisterschaften am Wochenende vor der Tour war das Dauphiné das ganz große Ding. Man ist in den französischen Alpen, bezwingt dieselben gewaltigen Anstiege, aber auf viel leereren Straßen. Es ist der letzte Moment der Ruhe, bevor der absolute Wahnsinn der Tour losbricht.“
Für Romain, der in Brioude aufwuchs – nicht weit vom Herzen des Dauphiné entfernt –, fühlte sich das Rennen schon immer zutiefst persönlich an.
„Das Critérium du Dauphiné war schon immer mein Lieblings-Etappenrennen des Jahres“, sagt Bardet. „Es war wirklich Rennsport in seiner reinsten Form. Die gesamte Struktur der Tour de France war vorhanden, aber ohne die irrationalen Aspekte eines de rgrößten Events des Planeten.“
Aufgrund ihres Termins im Kalender Mitte Juni wurde die Ausfahrt zur ultimativen Generalprobe für den Juli. Die Siegerliste liest sich wie das Who's Who des Radsport-Adels: Anquetil, Merckx, Hinault, Induráin. Allesamt fünffache Tour-Sieger, die sich den letzten Schliff holten, indem sie das Gelbe Trikot mit dem markanten blauen Band gewannen.
„Beim Dauphiné wusste ich: Wenn ich in den Bergen gut genug bin, verschafft mir das eine sehr gute Position im Gesamtklassement“, erinnert sich Romain. „Daher fiel es mir leichter, meine Erwartungen an dieses Rennen anzupassen. Dieser Teil der Alpen umfasste zudem immer die Etappen, die meinem Wohnort am nächsten lagen und auf denen ich schon seit so vielen Jahren unterwegs bin. Wir fuhren meist von Westen nach Osten in die Alpen hinein, sodass meine Familie immer am Straßenrand stand.“
Vor Kurzem wurde die Veranstaltung in Tour Auvergne-Rhône-Alpes umbenannt, wodurch die Strecke noch tiefer in das Zentralmassiv führt. Für uns wird es jedoch immer das Dauphiné bleiben – und es am Ende eines Bikepacking-Trips vom Straßenrand aus zu verfolgen, ist ein ruhigeres und logistisch weitaus weniger anstrengendes Unterfangen, als die Tour zu besuchen.
Es war so gut, wieder beim Bikepacking zu sein“, sagt Romain. „Man muss auch nicht wie bei der Tour de France drei oder vier Stunden vorher am Straßenrand stehen. Sie sperren die Straße erst etwa eine Stunde vorher, man kann sich also ganz entspannt hinstellen. Es fühlt sich alles sehr ungezwungen an.“
„Wenn du als Fahrer in der Blase des Rennens steckst, nimmst du das Ausmaß der Party um dich herum gar nicht richtig wahr. Du erlebst einfach nur eine Wand aus Lärm. Die Fans campieren tagelang auf den Pässen, und dann schießt das Peloton in zwei Sekunden an ihnen vorbei“, fügt Juan Antonio hinzu. „Aber die Party ist nicht vorbei, wenn die Autos weg sind. Die Fans bleiben auf dem Asphalt, singen und jubeln. Sie versuchen, die Schilder als Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Man kann die Berge nicht mit nach Hause nehmen, also möchte man etwas Greifbares vom Rennen anfassen und behalten, um diese Emotionen festzuhalten. Ich habe mir heute sogar selbst ein paar Streckenschilder vom Dauphiné geschnappt!“
Es ist lange her, dass diese beiden am Straßenrand stehen und alles so aufsaugen konnten wie die meisten von uns – als Fans.
Normalerweise arbeitet Flecha hier, analysiert Daten und versucht, die Renndynamik zu entschlüsseln. „An den Absperrungen zu stehen, erlaubt es dir, das menschliche Leiden aus nächster Nähe zu beobachten. Du siehst, wie die großen Namen abgehängt werden, versuchst, ihre Emotionen zu lesen, und erlebst die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Fahrer, die einfach nur versuchen, innerhalb des Zeitlimits ins Ziel zu kommen. Jeder kämpft seinen eigenen Kampf.“
„Ob ich jemals wieder mitten im Geschehen sein möchte? Ich hätte sicher nichts dagegen, wieder in meinen Zwanzigern zu sein! Aber Radsport ist ein harter, unglaublich fordernder Sport. Ich hatte meine Zeit im Leben, um diese Opfer zu bringen, und ich akzeptiere, dass diese Zeit vorbei ist. Auf der sicheren Seite der Absperrung zu stehen und den Jungs beim Leiden zuzusehen, ist gar kein so schlechter Ort.“
Ein Abstecher zu den hohen Gipfeln war von Anfang an beschlossene Sache. Ein klarer Spätfrühlingstag bot die perfekten Bedingungen: die Luft kühl und frisch, die Sonne warm, aber nicht drückend, und noch reichlich Schnee auf den Kämmen, der die klassischen Alpenpanoramen perfekt einrahmte. Eine Route in Richtung Col du Galibier wurde geplant. Für einen vermeintlich entspannten Bikepacking-Trip war das ein ziemlich großes Vorhaben, da es sich um eine der höchsten asphaltierten Straßen der gesamten Alpen handelt, aber Romains Vorfreude auf den Gipfel war unübersehbar.
„Der Col du Galibier ist der Riese der Alpen und einer meiner Lieblingsanstiege“, erklärt Romain. „Ich habe früher viele Höhentrainingslager am Col du Lautaret absolviert, der auf 2.000 Metern direkt am Fuß der letzten acht Kilometer langen Abzweigung zum Galibier-Gipfel liegt. Während der Camps war das mein kleiner Zufluchtsort, wenn ich eine Ausfahrt verlängern wollte, oder sogar ein Ort, an dem ich an Ruhetagen wandern ging.“
"In terms of racing, coming up the northern side from Valloire is tied to the moments I felt strongest on the bike, back when I was challenging for the yellow jersey. I’ve always performed better above 2,000 meters, and there aren’t many climbs in France that allow you to race that high. I don't know how many times I’ve climbed it. It holds a very special place for me."
For Juan Antonio, climbing the Galibier provided flashbacks to incredible days on the Tour. "Riding in the Alps around climbs like the Galibier brings back memories that usually just sit dormant unless you return to these roads. Suddenly, they pop up.”
“I remember one of the final mountain stages of the 2011 Tour de France. We went over the Télégraphe and Galibier, and I was in the breakaway. That was the year Thomas Voeckler was in the yellow jersey, fighting off everyone. He was on the limit, trying not to lose the Tour. He got dropped on the Télégraphe, and as I was coming back from the breakaway, he passed me, frantically trying to chase. I noticed his bike had no bottles left, and his team car wasn't anywhere near him. I had two completely fresh water bottles from the break, so I handed them over to him.
We stayed in the same hotel that night and had a quick chat; he was incredibly grateful. To me, that moment beautifully reflected the underlying camaraderie of cycling. I just saw the yellow jersey desperately needing water, and you don’t deny a fresh bottle to the leader of the Tour de France."
Fancy Yourself as a Grimpeur?
If you are inspired to head over this summer and tackle the high passes yourself, here are Romain and Juan Antonio’s personal recommendations, recollections and warnings for the best climbs in France.
Riding Mont Ventoux
Romain Bardet: Ventoux is a special one. I’ve always been a bit afraid of it because of the kind of climber I am. I like long, hard mountain stages with multiple climbs back-to-back. With Ventoux, you often ride on the flat all day before hitting a massive, hour-long effort at the very end. That is what put me into trouble. You go from really high speeds straight into a super tough climb.
Coming from Bédoin, you are riding through the forest on double-digit gradients with no hairpin corners to break the rhythm. Then you pass Chalet Reynard; you're already on your limit, and it just keeps dragging up into the wind.
I also have a lifetime memory of the crazy incident in 2016 when Chris Froome was running up the mountain. There was too much wind to finish at the summit, so they moved the finish to Chalet Reynard, and the whole thing just became chaotic. It was always a challenging climb for me, but the atmosphere with the fans is unique. It has two completely different landscapes: the forest at the bottom, and the moonscape at the top. It’s a climb like no other.
Juan Antonio Flecha: I remember seeing it for the first time when Eros Poli won the stage, and it made a huge impact on me. Later on, my teammate Juanma Farate won a Tour de France stage at the top of Mt Ventoux. Before the start of that stage, we’d discussed the privilege of riding Ventoux on the Tour, and the importance of going deep that day.
Often it's a stage that combines the challenge of crosswinds and climbing. It's also the biggest climb in the area , riders constantly see it, and from the bottom it's very intimidating.
Riding Col du Tourmalet
Romain Bardet: I won't say too much about the Tourmalet because it holds one of my biggest disappointments as a rider. At the 2019 Tour, I had high GC expectations but got dropped on the previous climb, ending up in a group 20 to 25 minutes behind the leaders. It was tough because the fans expected me to be at the front, and I just couldn't deliver.
However, it became one of the most powerful human experiences of my career. All my teammates waited for me on that climb so we could finish together. It wasn't about speed anymore; it was about standing together as a group and showing trust in me. That moment was decisive; it gave us the momentum to go on and win the polka dot jersey that year."
Juan Antonio Flecha: Historically, it’s very memorable because it's one of the most used mountain climbs on the Tour de France. I always had huge respect for it and was always to be in the breakaway that day. I've got plenty of good memories either climbing it or descending it.
Riding Alpe d’Huez
Romain Bardet: Alpe d'Huez is iconic, but I never really enjoyed riding it because it feels like the road doesn't really embrace the mountain. The road is just there to give you access to the top, so it feels different to me. The landscape isn't really what you would expect from the high mountains. It's just hard, brutal, and it puts you right on the limit, and it is always super warm there.
Also, with all the crowds and all the fans, it makes it super hard for the riders. It’s iconic, but for me, it never felt like a stage I just had to win. I’ve never been super enthusiastic about that climb. On the other hand, I love the Col du Sarenne, which is on the other side. It’s not very well-known, but it’s a pure, beautiful climb on small roads going up the back way, and then you descend into Alpe d'Huez.
Juan Antonio Flecha: Most of the time I rode here, I was in the gruppetto, except the uphill TT in 2004 when I could experience riding it solo. I’ve never seen crowds like that.
Riding Col d’Aubisque
Romain Bardet: The Col d'Aubisque was actually the one where I got dropped before we went to the Tourmalet. Anyway, looking past the racing side of things, it’s a fabulous climb. I remember having a picnic there with my parents during a Tour de France reconnaissance trip.
It’s brutal, the Pyrenees. I’d say it is even wilder than the Alps. For some reason, I’ve always performed better in the Alps than in the Pyrenees, maybe just because I'm more used to those climbs, but the Aubisque is inconsistent and tough. It gets crowded on the Tour de France, but it’s not like the Alps; it feels even more natural. You can see sheep on the side of the road, even during the race. When you ride it together with the Soulor, it’s an itinerary I would love to do again on a bike trip, because the views up there are completely clear and you can see all the way to the horizon. It’s a beautiful climb, even if I don't have the best racing memories there.
Juan Antonio Flecha: In my early years as a pro, I had a goal on a stage that was going over Aubisque. I made it in the breakaway, but I couldn't stay with the best riders forming it. Later on at the finish line, my team manager said to me, "When Aubisque is there, don't even try to be on the breakaway".
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